März 2025 |
250308 |
ENERGIE-CHRONIK |
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Die im November erfolgte Ankündigung des Energieversorgers MVV, bis 2035 sein Gasnetz stilllegen zu wollen, hat in Mannheim und Umgebung für erhebliche Unruhe gesorgt (250204). Am 18. März befasste sich auch der Gemeinderat mit dem Thema. In einer mit großer Mehrheit angenommenen Entschließung unterstrich er, dass es bisher keine festen Termine für den geplanten Gas-Ausstieg gibt. Die aus einer Teilprivatisierung der Mannheimer Stadtwerke hervorgegangene MVV Energie AG (980712), die noch immer zu 50,1 Prozent der Stadt gehört (200618), wurde deshalb aufgefordert, "bis zur Beschlussfassung über das Gesetz zur Umsetzung der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie in deutsches Rechts keine einseitigen Schritte zur Stilllegung des Gasverteilnetzes in Mannheim zu ergreifen". Solche einseitigen Schritte hatte die MVV allerdings auch gar nicht beabsichtigt, weshalb dieser Passus vor allem der Klarstellung diente, dass es bundesweit vorerst noch an den rechtlichen Voraussetzungen fehlt, um präzise Aussagen zum Rückbau des Gasnetzes treffen zu können.
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Am 13. März protestierten Mitglieder der Bürgerinitiative "Mannheim gibt Gas" vor dem Gebäude der MVV. Ein Sprecher der Demonstranten unterstellte dabei dem Versorger, dass er sich bei der angestrebten Stilllegung des Gasnetzes bis 2035 vor allem von Profit-Erwägungen leiten lasse. Die neuen "KANU 2.0"- Festlegungen der Bundesnetzagentur (240912) erlauben es nämlich den Gasnetzbetreibern, auch jüngere Investitionen in der Regel bis 2045 abzuschreiben, und in Ausnahmefällen sogar bis 2035. |
"Der Gemeinderat der Stadt Mannheim unterstreicht seine Steuerungsfunktion für den Umbau der Wärmeversorgung in der Stadt durch den von ihm beschlossenen Wärmeplan, der kein fixes Ausstiegsdatum aus dem Gasverteilnetz vorsieht", heißt es einleitend in der Entschließung, die von der Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) in Abstimmung mit den Fraktionen vorbereitet worden war. Die künftige Bundesregierung wird aufgefordert, die seit August 2024 geltende EU-Richtlinie zum Gasbinnenmarkt möglichst schnell in nationales Recht umzusetzen. In die Gesetzgebung seien dabei "neben den Anforderungen an Stilllegungspläne, angemessenen Fristen und regulatorischen Vorschriften auch Regelungen zur Abmilderung von Härtefällen aufzunehmen."
Die Resolution wurde von Grünen, SPD, CDU, Linke und FDP unterstützt. Abgelehnt wurde sie nur von der Wählervereinigung "Mannheimer Liste" und der rechtspopulistischen AfD, die eine unbegrenzte Fortführung der Gasversorgung verlangen.
Der MVV-Vorstandsvorsitzende Georg Müller, der mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern an der Gemeinderatssitzung teilnahm, begrüßte diese Entschließung. Gegenüber dem lokalen "Rhein-Neckar-Fernsehen" stellte er klar, dass die Beendigung der Gasversorgung bis 2035 auch für die MVV vorerst nicht mehr als ein angestrebtes Ziel sein kann. Ihre öffentliche Ankündigung sei aber dennoch richtig gewesen, um die betroffenen Verbraucher frühzeitig darauf hinzuweisen, dass Heizen mit Erdgas keine Zukunft hat: "Auch wir haben ja gesagt, es gibt bisher kein fixes Ausstiegsdatum. Wir haben keinen Stilllegungsbeschluss getroffen. Wir halten an dem angestrebten Ziel 2035 allerdings fest, weil wir glauben, dass dies das richtige Signal in die Bürgerschaft zu diesem Moment ist."
In der Tat hat die MVV schon am 8. November lediglich davon gesprochen, dass sie den Rückzug aus der Gasversorgung bis 2035 "anstrebt" und deshalb allen Kunden empfiehlt, sich frühzeitig um alternative Heizformen zu kümmern. Im übrigen sei es jedoch Aufgabe der verantwortlichen politischen Institutionen, die Rahmenbedingungen für die nähere Ausgestaltung der Wärmewende zu gestalten. Diese Regelung werde dann auch für die MVV gelten.
Es handelte sich demnach um eine wohlkalkulierte Warnung für das breite Publikum, mit der sich Dr. Georg Müller, der seit 2008 die MVV führte (080715), nach mehr als 16 Jahren aus dem bisherigen Wirkungskreis verabschiedete. Bei der letzten Vertragsverlängerung hatte er sich vom Aufsichtsrat die Möglichkeit eines vorzeitigen Amtsverzichts einräumen lassen. Als er im Mai vorigen Jahres davon Gebrauch machte, wollte er eigentlich bereits zum Jahresende 2024 aufhören. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger dauerte jedoch länger, weshalb die Amtsübergabe auf Ende März verschoben wurde.
Müllers Nachfolger ist ab April der promovierte Diplomingenieur Dr. Gabriël Clemens (53), der seit 2021 als "CEO Green Gas" in der Geschäftsführung der E.ON Hydrogen GmbH in Essen die Wasserstoffaktivitäten des Energiekonzerns E.ON verantwortete. Zuvor war der gebürtige Niederländer mit deutschem Pass acht Jahre Mitglied des Vorstands im Ressort Technik bei der VSE AG, einem saarländischen Energiedienstleister. Zwischen 2009 und 2014 bekleidete er außerdem verschiedene leitende Positionen innerhalb des RWE-Konzerns.
Inzwischen treibt die MVV die "Vergrünung" der Fernwärme weiter voran. Wie sie am 17. März mitteilte, hat sie die Realisierung einer zweiten Flusswärmepumpe europaweit ausgeschrieben. Die neue Anlage wird in der Nähe der bestehenden Wärmepumpe errichtet, die im Oktober 2023 auf dem Gelände der Großkraftwerk Mannheim AG (GKM) in Betrieb genommen wurde (231002). Sie soll über eine thermische Leistung von rund 150 Megawatt verfügen. Das ist mehr als das Siebenfache der ersten Anlage. Sie wird damit eine der größten Flusswärmepumpen Europas sein.
Darüber hinaus plant die MVV auf dem GKM-Gelände den Bau eines wasserstofffähigen Fernwärmenachheizers, der bis zum Anschluss an das Wasserstoffnetz mit Erdgas oder Biomethan betrieben wird. Diese Anlage dient dazu, in der Heizperiode das Fernwärmewasser auf die dann benötigten Temperaturen im Fernwärmenetz aufzuheizen. Die Bauarbeiten für beide Projekte sollen im kommenden Jahr beginnen. Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2028 vorgesehen.