Juli 2020

200712

ENERGIE-CHRONIK


Offshore-Windkraft stagniert vorerst bei 7.760 MW

Zum 30. Juni befanden sich in Nord- und Ostsee 27 Windparks in Betrieb, die mit insgesamt 1.501 Einzelanlagen über eine Nennleistung von 7.760 MW verfügten. Der Leistungszuwachs gegenüber Ende 2019 beschränkt sich aber auf die drei Prozent, die im Januar durch die vollständige Inbetriebnahme der beiden EnBW-Windparks Hohe See und Albatros hinzukamen (200108). In den nächsten zwei Jahren ist auch nicht mit einem weiteren Leistungszuwachs zu rechnen. Dies ergibt sich aus dem Halbjahresbericht, den die Deutsche Windguard am 17. Juli veröffentlichte.

Neue Anlagen werden frühestens ab Sommer 2022 ans Netz gehen

Mit den nun erreichten Ausbaustand in Nord- und Ostsee ist die Abarbeitung jener Projekte abgeschlossen, die schon vor der Umstellung des Vergabeverfahrens auf Ausschreibungen in Angriff genommen wurden. Deshalb ist ein weiterer Leistungszuwachs erst zu erwarten, wenn jene Projekte ans Netz gehen, die in den Jahren 2017 und 2018 bei den beiden ersten Ausschreibungen den Zuschlag erhielten. Diese waren gemäß 26 WindSeeG für solche Vorhaben reserviert, die bei der 2015 eingeleiteten Umstellung der Förderpraxis bereits genehmigt oder zumindest weit fortgeschritten waren (170401, 170213, 180413). Insgesamt ergaben sich aus diesen Zuschlägen sieben Projekte. In der Nordsee gehört dazu der Windpark Kaskasi, der inklusive der zugehörigen Pilotanlagen im Sommer 2022 ans Netz gehen soll. Bis 2024 soll GodeWind 3 fertiggestellt sein (einschließlich des Zuschlags für GodeWind 4). Bis 2025 folgen dann Borkum 3 (einschließlich der Zuschläge für Borkum Riffgrund West 1, Borkum Riffgrund West 2 und OWP West) sowie das Projekt EnBW He Dreiht. In der Ostsee sollen Arcadis Ost 1 und Wikinger Süd bis 2023 realisiert werden, danach Baltic Eagle bis voraussichtlich 2024.

Änderung des Ausschreibungsverfahrens bleibt umstritten

Ab 2021 finden die Ausschreibungen rein wettbewerblich statt, wobei die auszuschreibenden Meeresflächen vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) im Einvernehmen mit der Bundesnetzagentur voruntersucht und festgelegt werden. Bisher war nur eine jährliche Ausschreibung im Umfang von 700 bis 900 MW vorgesehen. Die Offshore-Gesamtkapazität sollte bis 2030 nicht mehr als 15.000 MW betragen. Die geplante Novellierung des Windenergie-auf-See-Gesetzes wird dieses Ausbauziel in 1 auf 20.000 MW erweitern, wodurch auch die Ausschreibungsmengen entsprechend größer werden müssen (200506).

Umstritten ist aber noch immer eine Änderung des Ausschreibungsverfahrens, die von der Bundesregierung im Zuge der Novellierung geplant ist. Sie würde es ermöglichen, den Bietern sogar Zuzahlungen pro erzeugter Kilowattstunde abzuverlangen, anstatt ihnen Förderprämien zu gewähren. Aus Sicht des Bundesverbands der Windparkbetreiber Offshore (BWO) verringert diese Änderung die Realisierungswahrscheinlichkeit von bezuschlagten Projekten und verletzt die grundgesetzlich gesicherten Eigentumsrechte der Inhaber von "Eintrittsrechten". Die Ministerpräsidenten der fünf Küstenländer warnten ebenfalls vor der beabsichtigten Novellierung des Wind-auf-See-Gesetzes. In einem Brief an Wirtschaftsminister Altmaier empfahlen sie stattdessen die Einführung von sogenannten Differenzverträgen (200605).

Im ersten Halbjahr 2020 stammten über 15 Prozent des Windstroms aus der Nordsee

Wie der Übertragungsnetzbetreiber TenneT an 27. Juli mitteilte, hat sich die aus der Nordsee übertragene Strommenge im ersten Halbjahr 2020 auf 11,51 Terawattstunden (TWh) erhöht. Das entspricht einer Steigerung um 21,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 (9,51 TWh). Insgesamt waren damit die Nordsee-Windparks mit 15,6 Prozent an der gesamten deutschen Windstrom-Erzeugung beteiligt, die im ersten Halbjahr 2020 knapp 74 TWh betrug. TenneT ist für die Netzanbindungen in der Nordsee zuständig. Die beachtliche Zunahme der Stromeinspeisung im Halbjahresvergleich erklärt sich vor allem daraus, dass von den 160 Offshore-Anlagen mit einer Nennleistung von insgesamt 1.111 MW, die 2019 in der Nordsee erstmals ans Netz gingen, rund drei Viertel in der zweiten Jahreshälfte fertig wurden. Da nun für etwa zwei Jahre keine neuen Inbetriebnahmen zu erwarten sind, dürfte der Offshore-Anteil an der gesamten deutschen Windstromerzeugung bis dahin eher rückläufig werden anstatt weiter zuzunehmen.

 

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