Juni 2026

260603

ENERGIE-CHRONIK




Eine Betrachtung der Tagesmittelwerte für Spritpreise an den deutschen Tankstellen zeigt, dass beim Inkrafttreten des Tankrabatts am 1. Mai die zweimonatige Absenkung der Energiesteuer von den Mineralölkonzernen nur mit starken Abstrichen weitergegeben wurde. (Im NDR-Original ist dieses Diagramm interaktiv und zeigt beim Anklicken der Kurven für jeden Tag die exakten Tagesmittelwerte.)
Quelle: NDR

Mineralölkonzerne gaben ihre Einsparungen durch den "Tankrabatt" erneut nur mit erheblichen Abstrichen an die Tankstellen weiter

Der seit 1. Mai geltende Tankrabatt (260402) ist am 30. Juni ausgelaufen. Durch die zwei Monate andauernde Senkung der Energiesteuer sollte er den Preis pro Liter Benzin oder Diesel um 14,04 Cent pro Liter verbilligen. Falls die Mineralölkonzerne diese Verringerung ihrer Kosten bis an die Tankstellen weitergegeben hätten, wäre daraus durch eine entsprechenden Verringerung der anfallenden Mehrwertsteuer für die Verbraucher sogar eine Einsparung von bis zu 16,7 Cent pro Liter Sprit geworden. Das haben die Konzerne allerdings nicht in vollem Umfang getan, sondern einen Teil der Einsparungen zur weiteren Erhöhung ihrer Gewinnmargen verwendet – so wie das schon vor vier Jahren der Fall war, als mit einem ähnlichen Tankrabatt, der drei Monate dauerte, die Auswirkungen der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gemildert werden sollten (220605),

Von der Senkung der Energiesteuer um 14,04 Cent kamen am 1. Mai nur 10 Cent bei den Verbrauchern an

Für Außenstehende war jetzt der 1. Mai sicher der günstigste Moment, um zu beurteilen, wieweit die Mineralölkonzerne zur Weitergabe der Einsparung bereit waren, die ihnen die zwei Monate dauernde Energiesteuer-Senkung bescherte. Offenbar legten diese aber gar keinen Wert darauf, den Verbrauchern die volle Weitergabe auch nur einen Tag lang suggerieren zu wollen. Im Gegenteil: Anscheinend wollten sie von Anfang demonstrieren, dass sie dazu nicht bereit oder in der Lage sind. Jedenfalls sanken am 1. Mai im Tagesmittelwert aller deutschen Tankstellen die Preise für Super, E 10 und Diesel nur um jeweils 13 Cent gegenüber den Preisen am Vortag. Ohne den Sekundäreffekt der 19 Prozent Mehrwertsteuer wären es sogar nur 10 Cent gewesen. Dabei betrug die Senkung der Energiesteuer, von der die Mineralölkonzerne profitierten, 14,04 Cent pro Liter.

Sinkende Rohölpreise machten Benzin um 31 Cent und Diesel um 48 Cent billiger

Im weiteren Verlauf des Monats Mai wurde die den Verbrauchern in Aussicht gestellte maximale Einsparung von 17 Cent pro Liter dann aber doch erreicht und im Juni sogar sehr stark überschritten. Das hatte allerdings relativ wenig mit dem Tankrabatt zu tun, den die Mineralölindustrie weiterhin nicht in voller Höhe der möglichen Einsparungen weitergab. Die treibende Kraft war vielmehr die Rohstoffbörse, an der ein Barrel Öl der Sorte Brent am 30. April noch 94,8 US-Dollar gekostet hatte. Nach dem Auslaufen des Tankrabatts lag dieser Preis am 1. Juli nur noch bei 62,48 Dollar, was einem Rückgang um 34 Prozent und fast dem Preisniveau vor vier Monaten entsprach, als die USA und Israel ihren unüberlegten Krieg gegen den Iran begannen und damit die ganze Welt in eine Energiekrise stürzten.

Am 19. Juni erreichten deshalb alle drei Spritarten relative Rekord-Tiefstände, und man musste bis an den Anfang des Monats März zurückgehen, um vergleichbare Preise zu finden: Super kostete nun 1,87 Euro, E 10 1,81 Euro und Diesel 1,73 Euro. Gegenüber dem Stand vom 30. April waren damit beide Benzinarten um jeweils 31 Cent billiger geworden und Diesel sogar um 48 Cent. Diesel war übrigens schon seit Mitte Mai wieder billiger als Benzin, wie das zuvor wegen der deutlich geringeren Energiesteuer für Diesel immer der Fall gewesen war, bevor dieser Spritpreis Anfang März plötzlich steil nach oben schoss und die Benzinpreise deutlich übertraf.

Schon vor dem tatsächlichen Ende des Tankrabatts kam es Ende Juni zu einem rätselhaften Preisanstieg

Im Unterschied zum Ölpreis, der seine Talfahrt bis zum 1. Juli fortsetzte, ging es dann mit den Spritpreisen ab 20. Juni wieder aufwärts. Zuletzt konnte man am 28. Juni mit 1,91 Euro für Super, 1,85 Euro für E10 und 1,77 Euro für Diesel noch vergleichsweise günstig tanken. An den folgenden drei Tagen bis zum 1. Juli wurde dann Benzin aber stufenweise um insgesamt 17 Cent pro Liter teuerer, wodurch der Preis für Super auf 2,08 Euro und der für E10 auf 2,02 Euro stieg. Für Diesel verteuerte sich der Liter um 19 Cent auf 1,96 Euro (siehe Grafik).

Dieser geradlinige Preisanstieg in drei Etappen vom 28. Juni bis zum 1. Juli wirkt schon deshalb seltsam, weil von dem  sinkenden Ölpreis keine entsprechenden Preisanstöße gekommen sein können. Vermutlich kam deshalb dieser Anstoß vom bevorstehenden Ende des Tankrabatts am 1. Juli, indem die Mineralölkonzerne diesen Wegfall an den beiden letzten Juli-Tagen schon mal teilweise einpreisten. Das wäre freilich unzulässig gewesen, da sie ja noch die volle Höhe des Tankrabatts kassierten. Dadurch hätten sie die theoretisch mögliche Einsparung von bis zu 17 Cent, die bei den Verbrauchern an der Tankstelle sowieso schon arg geschmälert ankam, um weitere 8 Cent verringert, die in den eigenen Taschen verblieben. Das klingt nicht nach viel. Bei den etwa 209 Millionen Liter Kraftstoff, die täglich in Deutschland getankt werden, wären das aber allein an diesen beiden letzten Juni-Tagen ungefähr 17 Millionen Euro gewesen.

Die 1,6 Milliarden Euro für den Tankrabatt hätte man sinnvoller zur langfristigen Preisstabilisierung des "Deutschlandtickets" verwenden können

Das mutmaßliche Versickern von vielen Millionen an Steuergeldern in den ohnehin prall gefüllten Taschen der Mineralölkonzerne war nicht das einzige Ärgernis am Tankrabatt. Auch sonst gab es berechtigte Kritik an diesem Konstrukt, da es alle Autofahrer ohne Rücksicht auf Bedürftigkeit beglückte und die weitere Abhängigkeit von fossilen Energien mit schätzungsweise 1,6 Milliarden Euro subventionierte. Es wäre sicher sinnvoller und zukunftsträchtiger gewesen, mit diesem Geld das "Deutschlandticket" für die bundesweite Nutzung der öffentlichen Nahverkehrsmittel erschwinglicher zu machen oder wenigstens den Preis langfristig zu stabilisieren. Seit 1. Januar dieses Jahres kostet es 63 Euro monatlich. Und dieser Preis soll künftig automatisch den steigenden Kosten angepasst werden, indem eine Preisformel ihn automatisch an die Kosten der Nahverkehrsunternehmen koppelt und diesen jährlich "anpasst", während Bund und Länder ihren Zuschuss von jeweils 1,5 Milliarden Euro bis Ende 2030 auf dem heutigen Stand einfrieren. Dabei lohnte sich diese bundesweit gültige Fahrkarte für den Nahverkehr schon vorher beim Preis von 49 Euro meistens nur noch für Nutzer, die in Großstädten oder Metropolregionen mit gut ausgebauten Nahverkehrssystemen zuhause sind (260408).


Der Ölpreis ist bis Ende Juni wieder fast auf denselben Stand gesunken, den er Anfang März hatte. Deshalb hat er stärker zum Rückgang der Spritpreise beigetragen als der Tankrabatt, der ohnehin nur geschmälert bei den Verbrauchern ankam.

 

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