März 2026

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ENERGIE-CHRONIK




Ein Fünftel der weltweiten Ölförderung stammt aus den Anliegerstaaten des Persischen Golfs. Seit Anfang März kann sie aber nicht mehr abtransportiert werden, weil der Iran die Tankschiffe beschießt und versenkt, wenn sie die "Straße von Hormus" ohne seine Erlaubnis passieren wollen.
Karte: Wikipedia

Krieg der USA gegen Iran löst weltweite Energiekrise aus

Der Krieg gegen den Iran, den die USA und Israel am 28. Februar mit einer Serie von Luftangriffen auf die militärische Infrastruktur, Raketenanlagen, Atomanlagen und die Führung des Landes begannen, hat die bisher größte Energiekrise seit dem russischen Überfall auf die Ukraine ausgelöst. Anstatt zu kapitulieren, holte das Regime in Teheran zum Gegenschlag aus, indem es die "Straße von Hormus" unpassierbar machte und ausgewählte Ziele wie US-Militärstützpunkte in den Ölförderstaaten auf der anderen Seite des Persischen Golfs mit Raketen und Drohnen bombardierte. Dadurch steht etwa ein Fünftel der weltweiten Ölförderung nicht mehr für den Handel zur Verfügung. Die Blockade bewirkte deshalb einen massiven Anstieg des Rohölpreises und eine Verteuerung von Benzin, Diesel, Heizöl, Dünger oder anderer auf Öl basierenden Produkte.

IEA gibt 426 Millionen Barrel an strategischen Ölreserven frei

Am 9. März teilte die Internationale Energieagentur (IEA) mit, dass ihr Chef Fatih Birol an einem Treffen der G7-Finanzminister teilgenommen habe, bei dem über die Bereitstellung von Notfall-Ölvorräten gesprochen wurde, um die Folgen der aktuellen Energiekrise zu dämpfen. Die IEA ist eine OECD-Tochterorganisation, mit deren Gründung die westlichen Industrieländer 1974 auf die erste Ölkrise reagierten. Am 11. März folgte die Bekanntgabe einer Vereinbarung, wonach die IEA-Mitgliedsländer dem Markt 400 Millionen Barrel Öl zur Verfügung stellen. In einer weiteren Mitteilung vom 19. März bezifferte die IEA den Gesamtumfang der freigegebenen strategischen Ölreserven mit 426 Millionen Barrel, wovon die USA mit 172,2 Millionen Barrel den mit Abstand größten Teil beisteuern. Es folgen Japan mit 79,8 mb, Kanada mit 23,6 mb, Korea mit 22,5 mb und Deutschland mit 19,5 mb.

Die Aktienkurse der großen Öl- und Gaskonzerne legten nach Beginn des Iran-Kriegs kräftig zu. Spitzenreiter war der staatliche norwegische Gasförderer Equinor, dessen Aktien bis zum 16. März um mehr als 20 Prozent stiegen. Bei BP und ENI waren es mehr als zwölf, bei Shell rund elf, bei Totalenergies knapp zehn, bei Chevron sieben und bei Exxon Mobil gut fünf Prozent.

Die US-Ölförderer verdienen Milliarden – aber auch Trumps Wähler müssen nun mehr für Sprit bezahlen

Größter Profiteur der Krise sind die US-amerikanischen Öl-Förderer. Nach Berechnungen der US-Investmentbank Jefferies werden sie allein im Februar fünf Milliarden Dollar mehr verdienen. Dagegen müssen auch in den USA die Kunden an den Tankstellen mehr bezahlen. Zusammen mit anderen Verteuerungen sorgt das bei den Wählern für Ärger und schmälert die Chancen der Republikaner bei den Zwischenwahlen im November, bei denen vor allem das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel der Mitglieder des Senats neu gewählt werden. Der US-Präsident Trump jubelte deshalb zu früh, wenn er meinte: "Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt; wenn also die Ölpreise steigen, verdienen wir eine Menge Geld."

 

USA und Israel verletzten mit ihrem Überraschungsangriff das Völkerrecht

Da weder für die USA noch für Israel eine akute militärische Bedrohung durch den Iran bestand, verletzten beide mit ihrem Überraschungsangriff das Völkerrecht. Zu dieser Feststellung gelangten auch die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags in einem Gutachten (PDF), das Abgeordete der Linksfraktion beantragt hatten. Darin heißt es: "Nach herrschender Ansicht stellen die amerikanischen und israelischen Angriffe einen völkerrechtswidrigen Verstoß gegen das in Art. 2 Abs. 4 VN-Charta niedergelegte Gewaltverbot dar, da sie weder vom Recht der Selbstverteidigung gedeckt noch vom VN-Sicherheitsrat gem. Art. 42 VN-Charta autorisiert wurden." In ähnlicher Weise hatte sich zuvor schon Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geäußert, während die Bundesregierung es sorgsam vermied, in dieser Frage Stellung zu beziehen. Dagegen hatten die beiden Angreifer auch auf eine mögliche atomare Bedrohung durch den Iran verwiesen und mit dem Recht auf Selbstverteidigung argumentiert.

Als die NATO-Partner nicht mitmachten, drohte Trump mit dem Austritt aus dem Bündnis

Trump hatte den Krieg eigenmächtig begonnen, ohne sich vorher mit den NATO-Verbündeten abzustimmen, die ihm sicher dringend abgeraten hätten. Eine verhängnisvolle Rolle spielte aber auch der israelische Regierungschef Netanjahu, der die hinreichend bekannten charakterlichen und geistigen Defizite des US-Präsidenten anscheinend geschickt auszunutzen wusste, um ihn zu dem gemeinsamen Angriff zu überreden und dies als aussichtsreiches Unternehmen erscheinen zu lassen.

Als Trump die Sackgasse bemerkte, in die er sich manövriert hatte, forderte er am 15. März Deutschland und ein halbes Dutzend weiterer NATO-Staaten zur militärischen Unterstützung auf, um gemeinsam die Straße von Hormus freizuhalten. Als keiner bereit war, dem Ansinnen Folge zu leisten, reagierte er in der üblichen Weise wie ein trotziges Kind: "Ich denke, die NATO macht einen sehr dummen Fehler", erklärte er. Seine Forderung sei ein Test für das Bündnis gewesen. Die USA müssten nun ihren Rückzug aus der NATO überlegen. "Ich brauche den Kongress nicht für diese Entscheidung", behauptete er außerdem, obwohl der US-Kongress 2023 ein Gesetz verabschiedet hat, das in diesem Fall die Zustimmung des Parlaments voraussetzen würde.

USA kündigten Zerstörung sämtlicher Kraftwerke an, falls die Öltanker nicht binnen 48 Stunden wieder ungehindert passieren könnten


Zu den skurrilen Auswüchsen des Trump-Regimes gehört die Internet-Seite "Truth Social", die dem US-Präsidenten als persönliches Sprachrohr dient. Hier gibt er am 26. März die zweite Verlängerung seines Ultimatums an den Iran bekannt:

"Auf Ersuchen der iranischen Regierung möchte ich mit dieser Erklärung bekannt geben, dass ich die Frist für die Zerstörung der Energieanlagen um 10 Tage bis Montag, den 6. April 2026, um 20:00 Uhr Eastern Time, verlängere. Die Gespräche laufen weiter und verlaufen sehr gut, ungeachtet der falschen gegenteiligen Behauptungen der Fake-News-Medien und anderer. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit! Präsident DONALD TRUMP"

Ein paar Tage später marschierte Trump in eine weitere Sackgasse, indem er am 21. März über seine persönliche Internet-Plattform "Truth Social" dem Iran die Zerstörung sämtlicher Kraftwerke ankündigte – "beginnend mit dem größten" – , falls nicht binnen 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig geöffnet werde. Experten warnten sogleich, dass die damit im Iran ausgelöste humanitäre Katastrophe keineswegs einen erfolgreichen Volksaufstand und den Sturz des Regimes zur Folge haben werde, da die Machthaber erst im Januar die damaligen Massenproteste in einem Blutbad mit Tausenden von Toten erstickt haben. Vielmehr werde das islamistische Regime dann wahrscheinlich mit gezielten Angriffen auf die Golf-Anrainerstaaten reagieren, um nicht nur deren Kraftwerke, sondern auch die Entsalzungs-Anlagen zur Trinkwassergewinnung sowie andere lebenswichtige Infrastruktur zu zerstören. Zu diesen Zielen würde beispielsweise der weltweit größte LNG-Exporteur Katar gehören, wo bereits am 18. März zwei Raffinerien von Shell und Exxon durch iranische Raketen beschädigt wurden. Aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) und deren Hauptstadt Dubai müssten dann mit weit schwereren Angriffen und Zerstörungen rechnen.

Der Iran verzichtete offiziell auf solche Drohungen und begnügte sich mit der Ankündigung, die Straße von Hormus durch Verminung völlig unpassierbar zu machen (bis dahin hatte er nur Schiffe angegriffen und versenkt, die ohne seine Erlaubnis die Meerenge passierten). Nicht unbemerkt blieb indessen, dass eine Agentur aus dem Umfeld der Machthaber ein kurzes Video mit der Aussage "Verabschiedet Euch vom Strom" veröffentlichte, das eine Karte der Golfstaaten mit Kraftwerken und Entsalzungsanlagen zeigte. Schon die Zerstörung der Kraftwerke würde vollkommen reichen, um auch die Anlagen zur Trinkwassergewinnung stillzulegen, da diese einen enorm hohen Strombedarf haben.

Trump verlängerte die Frist um fünf Tage – angeblich wegen der "sehr guten und produktiven Gespräche"

Sogar Trumps Berater scheinen schnell begriffen zu haben, welches Tor zur Hölle ihr Idol da öffnen könnte. Jedenfalls ruderte Trump schon einen Tag später wieder zurück und kündigte an, in den kommenden fünf Tagen keine Kraftwerke oder andere Energieinfrastruktur anzugreifen. Gegenüber dem Sender CNBC begründete er dies damit, dass es "sehr gute und produktive Gespräche" mit dem Iran gegeben habe. "Wir sind fest entschlossen, einen Deal mit dem Iran zu machen." Das Regime in Teheran dementierte allerdings, dass es überhaupt Verhandlungen gegeben habe. Tatsächlich gab es wohl nur indirekte Kontakte, bei denen Pakistan den Vermittler machte. Am 25. März hieß es dann in einer Verlautbarung des iranischen Fernsehens, man habe "negativ auf den US-Vorschlag reagiert", weil dessen Bedingungen "überzogen" gewesen seien.

Weitere Fristverlängerung um zehn Tage bis Ostermontag

Am 26. März verlängerte Trump zum zweiten Mal die Frist, die am 28. März abgelaufen wäre. Nun terminierte er sein Ultimatum für die Zerstörung sämtlicher iranischer Kraftwerke auf den 6. April um 20 Uhr US-Ostküstenzeit, was dem 7. April um 2 Uhr deutscher Zeit entsprechen würde. Erneut begründete er die Verlängerung mit angeblich "sehr gut" verlaufenden Verhandlungen. Aus Teheran gab es dazu keine Stellungnahme. Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf Vermittler, dass der Iran nicht um einen zehntägigen Aufschub der Angriffe gebeten habe. In einem Interview mit seinem propagandistischen Haussender "Fox News" erklärte Trump diesen Widerspruch damit, dass der Iran zunächst nur eine Verlängerung von sieben Tagen wollte, die er dann von sich aus verlängert habe.

Mit Ausnahme der Kraftwerke gingen die US-Angriffe unvermindert weiter

Unabhängig von der vorläufig nur angedrohten Vernichtung sämtlicher Kraftwerke setzte die US-Luftwaffe ihre Angriffe auf sonstige Ziele im Iran fort. Anscheinend hofft Trump, damit das Regime in Teheran bis Ostermontag derart in Bedrängnis bringen zu können, dass es doch noch einem Abkommen zustimmt, das er als großartigen persönlichen Erfolg ausgeben kann. Wichtigster Bestandteil wäre die Öffnung der Straße von Hormus. Andernfalls müsste er – um mit seinen Drohungen einigermaßen glaubwürdig zu bleiben – tatsächlich den Iran durch Zerstörung lebensnotwendiger Infrastruktur in eine humanitäre Katastrophe stürzen, die noch mehr Opfer fordern könnte als der Terror des Mullah-Regimes.

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